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26.07.2021, 19:59 Uhr

Aufforstung verhindert Klimaanpassung

Gerade im Königsforst werden die massiven Fehler sichtbar, die in landeseigenen Wäldern gemacht werden - auf Kosten der Steuerzahler und der biologischen Vielfalt...

Aufforstung verhindert Waldentwicklung an der Naturwaldzelle des Naturschutzgebiets Königsforst
Aufforstung verhindert Waldentwicklung an der Naturwaldzelle des Naturschutzgebiets Königsforst
© BUND Köln
Große Maschinen haben tote Fichten aus dem Wald geräumt, dabei den Boden verdichtet und die massenhaft aufgetretene natürliche Vermehrung der Bäume zerstört. An deren Stelle ist flächiger Anbau von Baumschulware getreten, nahezu vollständig eingekapselt in Plastikmanschetten. Ein bizarres Bild, dass sich einem aktuell nicht nur in privaten Holzproduktionsflächen bietet, sondern auch in landeseigenen Schutzgebieten, so z.B. an der Naturwaldzelle zwischen Kaisereiche und Großem Steinberg im Fauna-Flora-Habitat-, Vogelschutz- und Naturschutzgebiet Königsforst. Ein Bild, das eindrücklich zeigt, wie schlecht unsere Schutzgebiete tatsächlich geschützt sind und warum Deutschland aus diesem Anlass von der EU verklagt wird.

Die Unmengen an Plastik, die ins Schutzgebieten eingebracht worden sind - während sich das halbe Land mittlerweile in Plastikverzicht übt - sollen dem Schutz der Baumschulware vor Verbiss dienen. Das ist insofern absurd, als dass ja erst durch die Räumung des für die Insektenwelt und das Mikroklima so wichtigen Totholzes natürliche Mechanismen, welche die natürliche Baumvermehrung schützen, ausgehebelt worden sind. Hinzu kommt die intensive Jagd, die zu erhöhten Verbissleistungen von Rehen und Hirschen sowie zu erhöhten Vermehrungsraten führt. Rehe gibt es in Deutschland nacheiszeitlich wieder seit etwa 11 000 Jahren. Sie konnten die Wiedereinwanderung der Rotbuche etwa 6 000 Jahre später, aber auch aller anderen heimischen Baumarten nicht verhindern. Das Problem sind nicht Huftiere, sondern die Eingriffe des Menschen.

Etwa 30 Jahre alte Buchenplantage: mit Naturwald hat das nichts zu tun, die Artenarmut ist sichtbar
Etwa 30 Jahre alte Buchenplantage: mit Naturwald hat das nichts zu tun, die Artenarmut ist sichtbar
© BUND Köln
So auch beim Anbau selbst. Anstatt auf die massenhaft vorhandene selbstständige Vermehrung der Bäume zu setzen, die Anpassungsprozesse auf dem jeweiligen Standort durchlaufen haben und weiterhin werden, wird Baumschulware - teilweise nicht einmal standortheimischer Arten wie Weißtanne - implantiert, die unter völlig anderen Bedingungen aufgezogen worden ist. Das nächste Baumsterben ist damit vorprogrammiert. Die Menschen gemachte Klimaveränderung ist der Auslöser, Ursache aber ist der Förster.

Was wir brauchen ist eine echte Waldwende mit einem Vorrang für Wald statt Forst.