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07.08.2016, 19:42 Uhr

Geschichtskundiger Spaziergang durch den Lohmarer Wald. Eine Nachlese

Letzten Sonntag trafen sich 15 Interessierte mit Vera Kiefer und Werner Funken zu einem Spaziergang durch den Lohmarer Wald, um dessen Geschichte besser kennen zu lernen.

Das Wetter ließ uns netterweise nicht im Stich, zur Vorsicht hatten alle einen Regenschirm mitgebracht. Treffpunkt war der Reitstall in der Pützerau, ein alter Name in Lohmar, abgeleitet von der Familie Pütz, die an dieser Stelle Wald schlagen durfte (hau - Pützerhau= Pützerau).

Espenrotkappe
Espenrotkappe
© Vera Kiefer
Dann ließen wir auf unserem Spaziergang die Entstehung der Heideterrasse auf uns einwirken, die mit ihren Tonschichten ganz wichtig für die Entstehung dieser Gegend mitveranwortlich war. Unsere heutige Vorstellung vom Mittelalter ist stark romantisiert, die Menschen, die damals lebten, haben versucht, dem Wald und den Bächen eine karge Lebensgrundlage abzuringen. Der Wald wurde vielseitig genutzt, z.B. grub man den Torf ab, um zu düngen und zu heizen, die Schweine wurden zum Futtern in den Wald getrieben, selbstverständlich wurde das Holz genutzt, man sammelte Kräuter, Beeren und Pilze. Und fing in den Bächen Fische. 

Bewohner der Stallberger Teiche: Karpfen
Bewohner der Stallberger Teiche: Karpfen
© Vera Kiefer
Als sich im 11. Jahrhundert auf dem Michaelsberg die Mönche niederließen, haben sich, wie überall zu diesem Anlass, Handwerker aller Arten angesiedelt. Da war es ein großes Glück, dass man auf die Tonschichten dieser Gegend gestoßen ist. Der Ton war sehr fein und weiß, man konnte, streng reguliert durch die Töpferzunft, sehr schönes Alltagsgeschirr daraus machen. Das brachte Reichtum in die Stadt. Und der Tonabbau hinterließ, wie auch der Torfabbau, Mulden und Löcher im Boden, die mit Wasser voll liefen, oder gezielt bewässert wurden, um darin Fische zu halten. Weil der Fisch im Mittelalter viel billiger war als Brot, der Wald viele Eigentümer hatte (Erbenwald), lag es nahe, Fischteiche im großen Stil anzulegen. 

Stallberger Teich
Stallberger Teich
© Vera Kiefer
Leider wurde Siegburg  im Mittelalter beinah regelmäßig von Kriegen  niedergemacht, was zur Folge hatte, dass z. B. die Töpfer fortzogen und die Gegend insgesamt verarmte. Dadurch wurden auch die Teiche nicht mehr gepflegt, was zur Folge hatte, dass sich die Malaria ausbreitete. Um den Mücken die Grundlage zu entziehen, wurden die Teiche und der Wald mit vielen Entwässerungsgräben trocken gelegt. Als wenige Jahrzehnte später Waldbrände zunahmen, hat man die heute bekannten Teichketten wiederhergestellt. 

An diesem Punkt der Geschichte waren wir schon ein ganzes Stück gelaufen, hatten die Teiche im Giersiefen  hinter uns gelassen, die freigespülten Tonschichten an den Stallberger Teichen bewundert und hatten am Gagel gerochen. Dieser ehemaligen Bierwürze verdankt das Naturschutzgebiet entlang  der Siegburger Teichkette seinen Namen.

Über den Weg an den Hügelgräbern der Kelten vorbei  in Richtung Friedwald laufend, haben wir uns Gedanken über die Verbindungstrecken gemacht, die durch diesen Wald liefen. Es gab, etwa auf der Höhe der heutigen B56, einen Postweg. Dann sind wir, links abbiegend, auf dem alten Pilgerpfad von Köln nach Seligenthal zurück zur Apostelbuche gelaufen.

Als wir nach knapp 3 Stunden am Reitstall zurück waren, hat Werner noch eine alte Sage erzählt, basierend auf dem Aberglauben jener Zeit, in der die Nebelschleier noch Geister waren.

Unseren Teilnehmern hat unser Spaziergang gefallen, dabei war auch Hr. Eimermacher, ein "alter" Lohmarer Historiker, der auch noch ein paar Anekdötchen erzählen konnte.

Schön wars!

VK