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29.07.2020, 17:50 Uhr

Nachlese: Rösrather Heidespaziergang mit Elke Herkt im Juli

Normalerweise findet dieser kostenfreie Spaziergang vom Heideportal Turmhof aus durch die Wahner Heide jeden dritten Samstag im Monat statt...

…doch Corona-bedingt wurde diese seit 2009 bestehende Tradition von März bis Mai 2020 unterbrochen. Nachdem Kalle Gemmel den ersten Spaziergang dann im Juni geleitet hatte, ging es nun im Juli (18.07.) das erst Mal wieder mit Elke Herkt durch die sommerliche Wahner Heide.

Nach der Ginsterblüte ist vor der Heideblüte

Elke Herkt, zwischen Schafgarbe und Ginster
Elke Herkt, zwischen Schafgarbe und Ginster
© Justus Siebert
Getroffen wurde sich, wie immer, am Heideportal Turmhof. Dort gab es eine kurze Wieder-Begrüßungsrede von Elke, nach der Zwangspause, denn neben neuen TeilnehmerInnen, für die dieser Spaziergang der erste Wahner-Heide-Kontakt sein würde,  gab es auch Wiederkehrer, welche zwar schon etliche Male mitspaziert waren, offenbar aber immer noch nicht genug haben von der Heide. Oder von der Elke und der Heide. Und so ist es ja auch, wie Elke gleich zu Anfang einläutete: Die Wahner Heide ist an sich schon ein so vielseitiges Naturschutzgebiert, mit vielen verschiedenen Biotoptypen, Eichenwäldern, Mooren, Magerrasen, Trockenheide, Bruchwäldern,… Und dann verändert sie sich auch von Jahr zu Jahr, und jeder Monat hat etwas anderes zu bieten. Jetzt im Juli war es noch zu früh für die klassische Heidekraut-Blüte, die violette Besenheide, aber dafür gab es genügend andere Sommerblüher: Von Margarethen und Heidenelken über Disteln, Natternkopf, das seltene Tausendgüldenkraut und Glockenblumen. Umso magerer der Boden, desto größer die Pflanzenvielfalt. Obwohl also das Frühjahr sehr trocken war, mit kaum Regen im April und Mai, haben diese Arten es offenbar geschafft, mit den wenigen Regentagen der letzten zwei Wochen diese bunte Vielfalt an den Heide-Wegesrand zu zaubern.

(Fast) alle Vögel sind schohon weg...

Ob da ein Neuntöter auf der Geisterbusch-Koppel zu sehen ist?
Ob da ein Neuntöter auf der Geisterbusch-Koppel zu sehen ist?
© Justus Siebert
Doch nicht nur zu schönen Blütenpflanzen gab es einiges zu erzählen, so wurde auch der Unterschied von Trauben- und Stieleichen erklärt, was die Wasserbüffel (die wir nicht zu Gesicht bekamen) anders machen bzw. fressen als die Glanrinder, und warum das wichtig ist für Frösche und Libellen. Und normalerweise erzählt Elke auch sehr gerne etwas zur Vogelwelt der Wahner Heide, eines ihrer Lieblingsthemen, doch fällt der Juli nun mal in eine Jahreszeit, wo nicht mehr so viel los ist. Weil die meisten Brutvögel, wie Heidelerche und Schwarzkehlchen, mit ihrem Brutgeschäft bereits durch und teils schon wieder auf dem Weg in südliche Erdteile sind. Lediglich ein Neuntöter hat sich mit dem Fernglas noch sehen lassen.

Was das Militär mit Eseln gemein hat

Kurze Rast: die Esel schauen feundlicherweise in dem Moment mal vorbei
Kurze Rast: die Esel schauen feundlicherweise in dem Moment mal vorbei
© Justus Siebert
Etwas zur Entstehungsgeschichte der Wahner Heide gab es auch, angefangen mit vor 70 Millionen Jahren, als sich das Rheintal, das Rheinische Schiefergebirge und, dazwischen,  die mittlere (Heide-)Terrasse bildeten, bis hin zu den Preußen, die bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 das Rheinland zugesprochen bekamen. Und mit als erste Amtshandlung 1817 einen militärischen Übungsplatz einrichteten, den Schießplatz Wahn, womit die militärische Geschichte der Wahner Heide begann, die sie bis heute, auch nach dem Abzug der Belgischen Streitkräfte 2004, prägt.

Bei der ersten größeren Rast (15 Minuten), mit frei verfügbarer Zeit (Pausenbrot essen, Schluck aus der eigens mitgebrachten Pulle, oder einfach nur Landschaft gucken), auf dem November im Geisterbusch, pausierte auch die Eselherde freundlicherweise direkt bei uns, ein netter Anblick, denn so oft sieht man eine 10-köpfige Herde auf so großzügigem Koppelgelände auch nicht mehr.

Leben in der Pfütze

Kreuzkröten-Quappen in einer Pfütze auf dem November
Kreuzkröten-Quappen in einer Pfütze auf dem November
© Justus Siebert
Weiter ging‘s auf dem November (angelegt als Brandschneise, heute ein Wanderweg), mit so einigen Pfützen vom Regen der letzten Tage, aber heute gab es in genau zweien davon jeweils was besonderes zu sehen: in der einen Urzeitkrebse, unter dieser Bezeichnung jedenfalls kennen sie die YPS-Hefte-Leser, oder auch Feenkrebse, oder auch Branchipus. Für sie ist es durchaus normal, wie Elke und wissen ließ, dass diese Pfützen immer wieder austrocknen, die erwachsenen Krebse dann absterben, aber die Eier überdauern Trockenheit und Frost und entwickeln sich nach den ersten Regenfällen zu Jungkrebsen und setzen den Lebenszyklus fort.

Nächste Pfütze, 5 Meter weiter: keine Krebse, dafür aber Kaulquappen, und zwar von der Kreuzkröte. Die ist ebenfalls auf solche temporären Pfützengewässer spezialisiert, auf sandigem Boden, in praller Sonne, die das Wasser schnell erwärmt und die Quappen sich schnell entwickeln lässt. Nur manchmal geht dieser Plan nicht auf, dann ist die Hitze zu groß und die Pfütze trocknet schneller aus als sich die Quappen zu Jungkröten entwickeln können, und dann fällt diese Generation auch schon mal aus. Das war in den letzten beiden Dürrejahren der Fall, und auch dieses Jahr ist aus Krötenperspektive grenzwertig. Das macht schon nachdenklich, hinsichtlich Klimawandel. Aber immerhin haben wir am Pfützenrand auch ein paar Junkröten sehen können, die haben es geschafft, also kein Totalausfall dieses Jahr.

Bauer trifft Spaziergänger: wo sind die Büffel?

Ein paar Meter weiter kommt uns dann ein Traktor entgegen, was uns daran erinnert, dass die Esel, Glanrinder und Ziegen, die wir gerade gesehen haben, und die hier einen Job als Landschaftspfleger machen (wovon sie aber wahrscheinlich gar nichts wissen), von einem Landwirt umsorgt sein wollen, in Person von Stefan (auf dem Traktor), mit Trinkwasser (hinter dem Traktor, im Tank-Laster). Gut dass die Elke den Stefan kennt, denn da hält der auch mal an, und kann Fragen beantworten wie: Wie war denn das Jahr so mit dem Futterangebot für die Tiere? Antwort: schon schwierig, mit der Trockenheit ab Mitte März ist so gut wie gar nix gewachsen was vor allem den Rindern als Weide dient, und Heuernte war auch nicht viel. Erst jetzt wächst gerade mal was, aber ob das noch was bringt… Und weshalb wir keine Wasserbüffel gesehen haben erfahren wir jetzt auch, weil die nämlich alle auf der Koppel in der Tongrube bei Altenrath stehen, weil da nämlich noch Wasser ist, im Gegensatz zu den Geisterbusch-Koppeln, wo wir gerade entlang laufen. Aber bis dahin schaffen wir es heute nicht mehr, macht aber nichts, die Wahner Heide ist ohnehin kein Gebiet, was an einem Tag erwandert werden kann. Das wird schon deutlich anhand der 10 ausgewiesenen Rundwanderwege, die es hier gibt, und dann gibt es auch immer noch weitere Wege und Routen, welche man sich selbst erschließen kann.

Wer also Wasserbüffel sehen will, der geht am besten bei dem anderen, dem „originalen“ Heidespaziergang mit, von Altenrath aus, jeden ersten Sonntag im Monat, mit Werner Funken. Da geht es dann auch in die Tongrube, zu den Wasserbüffeln, und auch sonst in eine andere Ecke der Wahner Heide, und der Werner ist auch nicht die Elke…

Nach den auch anvisierten drei Stunden sind wir dann auch an unserem Ausgangspunkt, dem Busenberg, wieder angekommen. Von dem auch Elke nicht sagen konnte, warum der so heißt. Aber das wird noch nachrecherchiert. Jedenfalls, ein witterungstechnisch angenehmer Juli-Tag für einen Heidespaziergang, es gab auch durchaus was zu sehen, und Anregungen, was es hier noch zu entdecken gibt, ob auf eigene oder gelenkte Faust, gab es genug. Und manchmal finden sich Nachbarn aus dem Kreis Limburg, durch einen Acker oder Höhenzug getrennt, zum ersten Mal, über ein gemeinsames Naturinteresse, in der Wahner Heide bei Köln. Auch schön! Und wer weiß was sich beim nächsten Heidespaziergang so ergibt…

Video-Mitschnitte von diesem Spaziergang: Kaulquappen und Geisterbusch-Koppel

© Justus Siebert