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24.12.2008, 18:16 Uhr

Preußische Spuren auf der Heideterrasse

Auch heute noch finden sich Spuren militärischer Einrichtungen aus dem 19.Jahrhundert auf der Heideterrasse

SICHERHEITSSTAND

1817 übte erstmals Militär im westlichen Teil der Wahner Heide. Sie ist damit eines der ältesten militärischen Gelände in Deutschland. Eine großräumige Ausdehnung des Truppenübungsplatzes und damit auch des Namens "Wahner Heide" auf die Heidelandschaft setzte ab Ende des 19. Jahrhunderts ein. Insbesondere die rasante technische Entwicklung der Artillerie benötigte weitläufige Schießplätze.
Damit bei Schießübungen die Position der Kanoneneinschläge registriert und beobachtet werden konnte, ob sich Personen im Schußfeld aufhalten, wurden durch das preußische Militär Sicherheitsstände angelegt. Diese Beobachtungsposten liegen auch heute noch rund um das Zentrum der Wahner Heide. Die Sicherheitsstände 9 und 11 sind gut vom Forsthaus Telegraf zu erreichen.
Es wird überliefert, dass immer wieder Soldaten zu Schaden gekommen sind, wenn Kanonenschüsse ihr gewünschtes Ziel verfehlten.

TELEGRAPHENSTATION

Telegraphenstation
Telegraphenstation
© HGV
1832 ordnete König Friedrich Wilhelm II von Preußen den Bau einer "Optischen Telegraphenlinie" an. Es wurde eine Kette von 61 Stationen eingerichtet, die sich von der Berliner Sternwarte über Magdeburg und Köln in das ehemals Kürfürstliche Schloß bei Koblenz zog. Damit verband man den Generalstab Preußens mit dem Oberbefehlshaber der Rheinprovinz. Man suchte jede Möglichkeit, die Nachrichtenübermittlung zu beschleunigen, da man in Berlin um die westlichen Provinzen besorgt war, die noch keine zwei Jahrzehnte zu Preußen gehörten. Revolutionen in Frankreich und Belgien hatten bei den Preußen Besorgnis erregt.
In der Wahner Heide wurde eine Station am Hang des 134 Meter hohen Telegraphenberg erbaut. Sie entspricht dem heutigen Forsthaus Telegraph.
Die drei Flügelpaare auf dem Dach der Station ermöglichten es, bis zu 2200 verschiedene Chiffren optisch zu übermitteln. Ein Zeichen konnte in der für damalige Umstände unglaublichen Zeit von 30 Minuten die Strecke zwischen Berlin und Koblenz passieren - wenn das Wetter mitspielte.

PLANITZWEG

preußische Militärpiste, mitten durch ein Moor gebaut.
preußische Militärpiste, mitten durch ein Moor gebaut.
© D.Rothkopf
Diese Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts quer durch die Scheuerbachsenke gebaut und nach dem preußischen General von Planitz benannt. Auf Troisdorfer Stadtgebiet heißt er inzwischen Marienbrunsheideweg. Das alte Pflaster ist stellenweise noch erkennbar, trotz diverser Überlagerungen.
Der Planitzweg stellte seinerzeit einen erheblichen Eingriff in die Landschaft dar, mehrere Moore wurden zerschnitten bzw. überbaut.
 

DAS BÄHNCHEN

Wahner Heide in den 1930ern mit dem Moltkebergturm, der 1949 gesprengt wurde
Wahner Heide in den 1930ern mit dem Moltkebergturm, der 1949 gesprengt wurde
© Infozentrum Wahner Heide
1879 nahm das preußische Militär den Bau einer schmalspurigen Eisenbahnstrecke in Angriff, um den Transport von Personen und Material in die teils moorigen und daher schwer zugänglichen Manöverflächen zu erleichtern. Die Strecke des "Bähnchens" wurde nach und nach erweitert, und machte in der Zeit des Ersten Weltkriegs von der Kaserne Wahn ausgehend eine große Runde durch die Heide. Altenrath hatte damals sogar einen kleinen Militärbahnhof, wie auch der Moltkeberg inmitten der Wahner Heide.

Nach 1926, als die Wahner Heide nach 108 Jahren erstmalig wieder ohne Militär war, sollte die Feldbahn als "Ausflugsbahn" genutzt werden. Doch die Nationalsozialisten machten 1933 mit ihrer Neueinrichtung des Truppenübungsplatzes einen Strich durch diese Rechnung.
Das Ende des Dritten Reichs brachte schließlich auch das Ende des Bähnchens: Unter anderem durch die Bevölkerung, welche die Gleise als kostenlose Stahlträger beim Wiederaufbau ihrer Häuser nutzte, wurde sie abgebaut. Nur der oft meterhohe Damm und die Fundamentreste der Haltepunkte erinnern heute noch an die Feldbahn. Im Infozentrum Wahner Heide sind eine alte Schiene und Schwelle der Feldbahn ausgestellt.

WH