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19.07.2020, 23:33 Uhr

Biber bald auch im Dünnwalder Wald?

Seit einigen Jahren schon gibt es Biber-Fraßspuren an der Dhünn-Mündung in die Wupper bei Leverkusen-Bürrig, nun sind auch die ersten eindeutigen Hinweise einige Kilometer Dhünn-aufwärts bei Schlebusch aufgetaucht.

Biber-Fraßspuren am Dhünn-Ufer bei Schlebusch, 08.07.2020
Biber-Fraßspuren am Dhünn-Ufer bei Schlebusch, 08.07.2020
© Justus Siebert
Und von dort sind es Luftlinie ein paar Hundert Meter, über einen Grün-Korridor, bis in den Dünnwalder Wald. Gut, eine Wasserstraße in Form eines Baches, die der Biber nutzen könnte, gibt es nicht, und über die Bensberger Straße müsste er auch unüberfahren irgendwie rüber.  Aber dennoch nicht unmöglich.

Doch der Reihe nach: Der Hinweis bei Schlebusch kam von einer Spaziergängerin, die einen toten Jungbieber gefunden hatte, genauer gesagt ihr Hund, etwas abseits vom Weg. Ein trauriger Fund, die Todesursache konnte nicht mehr festgestellt werden, dazu war er schon zu sehr verwest. In Frage kommen Fuchs, freilaufende Hunde, oder eine Krankheit. So oder so, eine gute Nachricht gibt es auch: zu einem Jungbiber gehören auch Elterntiere, vielleicht noch weitere Jungtiere, und damit ist beantwortet was bislang unklar war: ob der Bürrig-Biber ein Einzelexemplar ist, Antwort: nein, es handelt sich offenbar um eine Mini-Population, die sich vergrößert und entlang nicht nur der Wupper sondern auch der Dhünn weiter ausbreitet. Sehr erfreulich!

Die Dhünn bei Schlebusch
Die Dhünn bei Schlebusch
© Justus Siebert
Zurück zum Dünnwalder Wald: Sollte es der Biber also wie spekuliert bis dorthin schaffen, was würde ihn dort erwarten? Erstmal gar keine so schlechten Lebensbedingungen, denn der Dünnwald ist ein an sich nasser Standort, mit sumpfigen Zonen und Moorrelikten, die trotz Entwässerungsmaßnahmen immer noch vorhanden sind. Es gibt Renaturierungspläne für diese Moorflächen, aber die Umsetzung derselben ist aufwendig, auch mit viel Bürokratie und Kosten verbunden. Der Biber, würde er hier auftauchen, würde den Job kostenlos erledigen. Um auftauchen zu können muss man erstmal abtauchen, das ist ihm wichtig, und wenn es dazu nicht genügend Wasserfläche gibt, schafft er welche, indem er Dämme baut und Teiche anlegt, insgesamt also Wasser in der Fläche hält. Aus ökologischer Sicht kann der Dünnwalder Wald also nur von der Rückkehr dieses einstigen Ureinwohners, der vom Menschen auch hier rigoros verdrängt wurde, nur profitieren. Und auch die Wasserbüffel im Naturschutzgebiet am Hornpottweg könnte er effektiv in ihrem Job unterstützen, die dortigen Uferbereiche offen zu lassen. Aber Büffel können nur weiden, und auch mal Weidenrinden anknabbern, ein Biber aber kann in einer Nacht mehrere Weiden fällen. Das kann sonst kein Tier. Außer dem Menschen. Und nur mit Hilfsmitteln, und nur gegen Bezahlung.

Also, es bleibt spannend, entlang der Dhünn, und auch für den Dünnwalder Wald. Oder die Gladbacher Hauptterrasse. Wir bleiben dran.