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24.07.2009, 17:33 Uhr

Biotopverbund Gelbbauchunke

Projekt zur Entwicklung einer Metapopulation auf der südlichen Bergischen Heideterrasse

Gelbbauchunke
Gelbbauchunke
© Gerhard Kriso
Die Gelbbauchunke Bombina variegata gilt landesweit als vom Aussterben bedrohte Amphibienart. Sie ist außerdem eine Art des Anhang II der FFH-Richtlinie, d.h. sie ist EU-weit streng geschützt und für sie müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden. Die Bestände Nordrhein-Westfalens befinden sich in einem schlechten Erhaltungszustand, sodass Maßnahmen zum Schutze dieser Art dringend geboten sind.

Die Gelbbauchunke gehört zu den typischen Bewohnern der Bergischen Heideterrasse. So berichtet bereits JANSON (1922), seines Zeichens Direktor des Kölner Naturkundemuseums von Vorkommen bei Schlodderdich (Schluchter Heide) und Duckterath (Ostrand des Thielenbruch). Er berichtet aber auch von eigenen Beobachtungen der nah verwandten Rotbauchunke Bombina bombina im Thielenbruch und in der Mülheimer Heide (gemeint ist wahrscheinlich die Dellbrücker Heide), also von einer Art, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand im Rheinland nie vorgekommen ist.

Die Bestände der Gelbbauchunke haben in den letzten Jahrzehnten drastische Einbußen erlitten, die Restvorkommen in den FFH-Gebieten Steinbruch Oberauel, Grube weiß und Wahner Heide wurden voneinander isoliert. Im Königsforst ist die Art letztmalig 1984 nachgewiesen worden. Dennoch bestehen nirgendwo mehr so gute Chancen wie im Naturraum Bergische Heideterrasse, diese Art langfristig erhalten zu können. Deswegen gibt es seit 2006 ein durch das Landesumweltministerium gefördetes Gemeinschaftsprojekt der Universität Duisburg Essen und des Bündnis-Mitgliedverbands RBN (Bergischer Naturschutzverein), um die Restbestände zu erhalten, ihre Lebensräume wiederherzustellen, zu vergößern und die Vorkommen miteinander zu vernetzen. Auf diese Weise kann dauerhaft eine überlebensfähige Population der Gelbbauchunke entwickelt werden.

Angelegte Temporärgewässer im Bereich einer Kyrillfläche
Angelegte Temporärgewässer im Bereich einer Kyrillfläche
© Holger Sticht
Die Gelbbauchunke ist eine Pionierart, die auf vegetationslose oder -arme, meist neu entstandene und nur zeitweise bestehende sonnenexponierte Kleingewässer spezialisiert ist. Sie ist also eng gebunden an dynamische Ereignisse in der Landschaft, die der Mensch seit Jahrhunderten versucht zu unterbinden oder erfolgreich verhindert hat: Hochwasserereignisse im Bereich der Bäche und Flüsse, durch Windwurf, Insektenmassenvermehrungen und Überalterung des Baumbestands entstehende Offenlandbereiche, die Einflüsse teils ausgerotteter Tierarten wie Ur, Schwein oder Biber usw. In Steinbrüchen und Tongruben hatte die Unke in den letzten Jahrhunderten durch den Menschen geschaffene Zweitlebensräume gefunden, die im Zuge der Nutzungsaufgabe aber auch wieder vielfach entfielen. Denn wächst die offene Fläche zu, verkrauten, verlanden und verbuschen die Kleingewässer, verliert die Unke ihren Lebensraum. Daher müssen zum Schutze der Unke, aber auch zum Schutze zahlreicher anderer heute stark gefährdeter Arten die dynamischen Ereignisse nachgestellt werden. Zumindest solange, bis vielleicht irgendwann wieder naturnahe Verhältnisse entstehen und zugelassen werden.

Unke zeigt in der Kahnstellung die Warntracht ihrer Bauchseite, um Feinde abzuschrecken
Unke zeigt in der Kahnstellung die Warntracht ihrer Bauchseite, um Feinde abzuschrecken
© Gerhard Kriso
Der Orkan Kyrill im Januar 2007 bot gute Chancen, da viele Forste umgeworfen worden waren. So enstanden nach langer Zeit wieder Größere offene Lebensräume sowie im Bereich der aufgestellten Wurzelteller kleine Temporärgewässer. Durch manschinellen Einsatz wurden diese Teilflächen zusätzlich optimiert, sodass nach langer Zeit wieder optimale Bedingungen für die Gelbbauchunke und ihre Fortpflanzung entstanden. Um eine Vernetzung der einzelnen Standorte zu ermöglichen wurde der Einsatz erstmal auf das Giesbachtal des Königsforsts konzentriert. Hier wurde nicht nur der letzte Königsforst-Nachweis der Unke erbracht, der Bach durchfließt das Naturschutzgebiet von Nordosten nach Südwesten, verbindet den Königsforst mit der Wahner Heide und bietet im Nordosten Anknüpfungspunkte an die große Unkenpopulation des im Eigentum des RBN befindlichen FFH-Gebiets Steinbruch Oberauel. Durch ein Monitoring und die naturschutzgerichtete Bewirtschaftung der einzelnen Teilflächen wird nun dafür Sorge getragen, die Bedingungen für die Unke weiter zu verbessern.

In der Wahner Heide profitierte die Gelbbauchunke in den letzten Jahrzehnten von Fahrspurgewässern
In der Wahner Heide profitierte die Gelbbauchunke in den letzten Jahrzehnten von Fahrspurgewässern
© Stefan Pütz

Interessenten und tatkräftige Helfer sind herzlich willkommen.

Weitere Infos gibt es beim Bergischen Naturschutzverein

Quellen:

  • Janson, O. (1922): Natur- und heimatkundlicher Führer von Köln und Umgebung. Köln
  • Kiel, E.-F. (2007): Geschützte Arten in NRW. MUNLV. Düsseldorf  
HS