Südliche Heideterrasse
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Die Bergische Heideterrasse

Einer der artenreichsten Naturräume NRWs mit 30 Naturschutzgebieten...

© LANUV
Geologie/Geographie: Der Naturraum Bergische Heideterrasse erstreckt sich auf der rechtrheinischen Mittel- und Hauptterrasse zwischen der Sieg im Süden und der Ruhr im Norden, zwischen Mülheim a. d. Ruhr und Siegburg. Es ist ein in etwa 80 km langes, oft nur wenige Kilometer oder gar hundert Meter breites Landschaftsband in Nord-Südrichtung, das durch die uralten sandigen und kiesigen Ablagerungen des großen Stroms geprägt ist. Hinzu kommen oft viele Meter hohe Flugsanddecken, die nach der letzten Eiszeit stellenweise zu Dünen aufgeweht worden waren. Und zwischendrin immer wieder tertiäre Schichten, die im Laufe der Jahrtausende durch natürliche Erosion zu Tage traten. So entstanden verschiedene Bodentypen mit unterschiedlichen Nährstoffverhältnissen, Feuchtigkeitsgraden und Bodenreaktionen, die für eine oft kleinräumig wechselnde Vegetation mit verantwortlich sind. Die zahlreichen Bäche, die auf der Heideterrasse entspringen oder diese queren, aber auch Flüsse wie Dhünn oder Agger, tragen zu dieser Standortvielfalt bei.

Wahner Heide , Blick vom Telegrafenberg
© Holger Sticht
Ökologie: Namen gebend sind nährstoffarme und oft saure Offenland-Lebensräume wie Sandheiden, Sandtrockenrasen, Binnendünen und Heidemoore. Doch charakteristisch ist die enorme Vielfalt von Biotopen, zu der auch Hainsimsen-Buchenwälder, Erlen-Bruchwälder, Eichen-Birkenwälder, Hartholz-Auwälder, Feuchtwiesen, ehemalige Abgrabungsgewässer und Bachauen zählen. So stellt die Heideterrasse einen der artenreichsten Naturräume Nordrhein-Westfalens dar. Über 700 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste kommen allein im größten und ältesten Naturschutzgebiet der Heideterrasse, der Wahner Heide bei Köln, vor.

© Bündnis Heideterrasse
Historie: Die Heideterrasse ist eine Kulturlandschaft, die durch den Menschen maßgeblich überprägt worden ist. Bis zu Ende des 19. Jahrhunderts waren traditionelle Landwirtschaftsformen ein wesentlicher Einfluss zur Entwicklung heute seltener Lebensraumtypen. Weidewirtschaft mit Schafen, Rindern, Pferden, Ziegen und Schweinen, Nieder- und Mittelwaldwirtschaft, Schiffelwirtschaft, Imkerei und Besenbinderei formten über viele Jahrhunderte hinweg diesen Naturraum. Das 20. Jahrhundert mit seiner industriellen Forstwirtschaft, Straßenbau und der Versiegelung durch Siedlungs- und Gewerbegebiete bedeutete einen rapiden Rückgang heute geschützter Habitate. Doch immerhin rund 30 Naturschutzgebiete bilden heute Refugien, in welchen ein Teil dieser Biodiversität überleben konnte.

Mittlere und südliche Bergische Heideterrasse (hellgrün) mit den Naturschutzgebieten und einem Teil der Landschaftsschutzgebiete (dunkelgrün)
© LVR
Südliche Bergische Heideterrasse: Dennoch ist die Heideterrasse heute durch diesen Flächenverbrauch in einen nördlichen, mittleren und einen südlichen Abschnitt aufgetrennt. Diese Seite stellt die südliche Heideterrasse mit ihren 16 Naturschutzgebieten vor, die noch durch Freiraumkorridore mehr oder weniger miteinander zusammenhängt, auf immerhin rund 10 000 ha - u.a. mit dem größten Naturschutzgebietskomplex Nordrhein-Westfalens: die inzwischen mit Grünbrücken wieder miteinander verbundenen Königsforst und Wahner Heide.

Südlich der Dhünn, auf der südlichen Bergischen Heideterrasse liegen der Dünnwalder Wald mit mehreren kleinen Naturschutzgebieten, die Gladbacher Haupterrasse, die Dellbrücker Heide, das FFH-Gebiet Thielenbruch, die Schluchter Heide und die Iddelsfelder Hardt. Letztere wird durch die A 4 vom FFH- und Vogelschutzgebiet Königsforst getrennt. An dieses grenzt südlich das artenreichste und zweitälteste Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens, die Wahner Heide an, die wiederum vom FFH-Gebiet Aggeraue vom Lohmarer Wald mit seinen fünf kleinen Naturschutzgebieten abgeteilt wird.

Mielenforster Wiese der Iddelsfelder Hardt
© Holger Sticht
Schutz und Wiedervernetzung: Verinselte Naturschutzgebiete können auf Dauer keine Gewähr dafür bieten, dass die biologische Artenvielfalt bewahrt werden kann. Auch sind die Naturschutzgebiete oft viel zu klein, die Landschaftsschutzgebiete werden schnell zum Spielball expansionswilliger Städte und Unternehmen. Um ausreichend große Populationen bilden zu können brauchen Tier- und Pflanzenarten Platz und Möglichkeiten des genetischen Austausches. Daher ist der wesentliche Schlüssel zum Schutz der Biodiversität der bestmögliche Schutz aller Heideterrassengebiete sowie die Wiedervernetzung von Lebensräumen und ihren Bewohnern. Und daher ist es unser Ziel, diesen international bedeutenden Naturraum als zusammenhängende Landschaft zu sichern, den Biotopverbund zu verbessern und die Wertschätzung gegenüber dieser einmaligen Landschaft zu fördern.

Ziegen-Wanderherde in der Dellbrücker Heide
© Holger Sticht
Autor: HS
Textzoom